Ein Open-Air im Rahmen eines Seminars organisieren? Mit wechselnden Teilnehmer*innen und ohne dickes Finanzpolster? Das ist die Aufgabe eines „lunatic-Jahrgangs“, der seit 12 Jahren in wechselnder Besetzung das nachhaltig orientierte Musik- und Kulturfestival als praktisches Lernprojekt umsetzt. Unterstützt werden die etwa 25 Teamer dabei jedes Jahr von knapp 300 studentischen Helferinnen und Helfern, Praxispartnern und Mentoren. Bis heute haben über 300 Studierende aus allen Fachrichtungen eine verantwortungsvolle Aufgabe im Rahmen des gemeinnützigen Projektes übernommen.

Jungen Menschen bereits im Studium einen Einblick in die Kulturpraxis zu ermöglichen, unter realen Bedingungen, jedoch eingebettet in einen stetigen Nachhaltigkeitsdiskurs – das ist das Anliegen des lunatic e.V.
Open-Air Veranstaltung, Umweltbewusstsein und verantwortungsvoller Konsum, wie passt das zusammen? lunatic diskutiert diese Fragen jedes Jahr auf’s Neue – in Seminaren, auf Workshopfahrten und in der WG-Küche. In der Festivalpraxis halten wir das so: Wo es möglich ist wählen wir ökologische und sozial verantwortliche Alternativen, von Dienstleistung über Versorgung bis zur Programmgestaltung. Als gemeinnütziges Festival und Lernprojekt gehört für uns aber auch immer der Diskurs und das Abwägen von Kompromissen dazu. Jedes Jahr ein paar Schritte dazu, so lautet die Devise. Ein interdisziplinäres Team aus Studierenden beschäftigt sich intensiv mit der praktischen Implementierung von Nachhaltigkeitsaspekten in die Festivalorganisation.

Das Open-Air selbst ist dabei Begegnungsort und Kommunikationsplattform für die Thematik – ohne dass wir dabei den obligatorischen Zeigefinger erheben wollen.
Wir kreieren viel lieber Alternativen die allen Spaß machen: So entstand zum Beispiel die jetzt schon legendäre „Pfandbecher-Sammelaktion“ der Trinkwasserinitiative Viva con Agua aus Hamburg erstmals auf dem lunatic Festival. Aus der Not heraus, weil wir einen anderen gemeinnützigen Verein finanziell unterstützen wollten.
Apropos Aktionen mit Nachhall: Nicht zuletzt, weil wir ein Campus-Festival sind, sind lokale und regionale Projekte stets eingeladen, ihr Angebot und Programm interaktiv bei uns auf der SPIELWIESE zu präsentieren. An der jährlichen Leuphana Nachhaltigkeitskonferenz beteiligen wir uns seit 2013 mit dem WIESENFORUM. Dafür dient ein Zirkuszelt als geselliger Ort für Austausch zwischen Praxis und Wissenschaft. Hier werden  Themen wie „Nachhaltige Festivalkultur?!“ oder „Chancen und Grenzen der Kunstvermittlung auf Open-Air-Veranstaltungen“ öffentlich diskutiert und wichtige Akteure aus der Branche in  eine Manege gebracht.

Am 3. und 4. Juni 2016 findet das 13. lunatic Festival statt. 2004 wurde das Service-Learning-Pojekt um den lunatic e.V.  eigeninitiativ von einer Gruppe Studierender ins Leben gerufen. Als Reaktion auf das damals begrenzt vorhandene Kulturangebot. Von einem 1-Tages-Musikfestival hat sich das lunatic zu einem zweitägigen Kulturfestival mit gesund wachsenden Besucherzahlen entwickelt.

Nur die breite Unterstützung von erfahrenen Praxismentoren aus Marketing, Veranstaltungswirtschaft und Kultur sowie die Einbindung in den wissenschaftlichen Kontext machen die stetige Weiterentwicklung des lunatic Festivals bis heute möglich.